Kleine Perlenkunde

 

Perlen sind das Erzeugnis von Muscheln, vornehmlich der Familie Flügelmuscheln, selten von Schnecken. Sie bestehen aus Perlmutt, das ist in der Hauptsache kohlensaurer Kalk und organische Hornsubstanz, welche kittartig die um einen Mittelpunkt konzentrisch gelagerten Mikrokristalle verbindet. Trotz de Mohshärte 2,5 bis 4,5, sind Perlen außerordentlich fest. Es gelingt kaum, sie mit der Hand zu zertrümmern.

Farbe: weiß, rosa, silber-, creme-, goldfarbig, grün, blau schwarz
Strichfarbe: weiß
Mohshärte: 2,5 bis 4,5
Dichte: 2,60 bis 2,85
Spaltbarkeit: keine
Bruch: uneben
Chemismus: Calcium-Carbonat + organische Substanz + Wasser
Transparenz: durchscheinend, undurchsichtig

Die Bedeutung des Namens "Perle" ist nicht sicher, vielleicht ist er von einer Muschelart (lat. "perna") oder der kugligen Form (lat. "sphaerula") abgeleitet. Die Größe der Perlen schwankt zwischen der eines Stecknadelkopfes und eines Taubeneis. Die wohl größte existierende Perle (Hope-Perle genannt) ist 5cm lang und wiegt 454 Karat (90,8 Gramm). Die Farbe einer Perle gliedert sich in die Grundfarbe der Perle, die "Körperfarbe" und den "Oberton". Er ist am besten zu erkennen, wenn man die Reflexion der Zuchtperle unter diffusem Licht betrachtet.


Entstehung

Perlen bilden sich in einigen Meeresmuscheln, Süßwassermuscheln, vereinzelt auch in Schnecken.
Sie entstehen als Ergebnis einer Reaktion gegenüber Fremdkörpern, die zwischen Muschelschale und Mantel oder gar in das Innere des Mantels eingedrungen sind. Die äußere Haut dieses Mantels, das Epithel baut normalerweise durch Perlmuttausscheidung die Muschelschale auf, umschließt aber auch gegebenfalls alle Fremdkörper in diesem Bereich. Eine solche Abkapslung führt zu einer Perle.
Genauer gesagt, ein eingedrungener Fremdkörper z.B. ein Sandkorn zieht äußeres Epithelgewebe mit, dieses bildet durch Zellteilung einen sog. Perlsack, der den Eindringling umschließt. Hier entsteht nun durch die Immunitätsabwehr der Auster die Perle, da um den Fremdkörper viele konzentrischschalige Hüllen aus Conchin und Calciumkarbonat gebildet werden. Das Epithel kann, wie wir neuerdings wissen, auch ohne Fremdkörper eine Perle erzeugen. Es genügt, dass Teile von ihm z. B. durch Krankheit oder Verletzung von außen her in das Bindegewebe des Mantels verlagert werden.

 

Die schwarzen Perlen des Tahiti

Diese berühmten Perlen erkennt man schnell an ihrer Grösse. Sie variieren zwischen 9 und 17 mm.
Die Perlmuttschicht um den eingepflanzten Perlmuttkern ist meistens sehr dick und gesund.
Dadurch wird die Naturfarbe, der Glanz und die Schönheit erhalten. Diese Perlen bedürfen keiner künstlichen Aufbesserung, deswegen werden sie auch als "Königin der Perlen" geschätzt.

 

Keshi-Zuchtperle

Mit dem Begriff "Keshi" (Mohnsamenkorn) versah man früher die winzigen Perlen, auch "Saatperlen" genannt, die in operierten Perlaustern zusätzlich zur Zuchtperle entstanden sind.
Inzwischen ist es üblich den Namen Keshi ausschließlich für Zufallsprodukte, die bei der Perlzucht entstanden sind, zu gebrauchen. Diese Perle in die richtige Kategorie einzuordnen ist schwierig.
Sie entsteht wie eine echte Perle, gefunden wird sie jedoch als Nebenprodukt der Akoya-Perlzucht bzw. Südsee-Perlzucht. Die richtige Bezeichnung wäre deshalb: "Durch Zufall im Meerwasser entstandene Zuchtperle ohne Kern". Wenn eine Perlauster den frisch eingepflanzten Perlmuttkern abstößt, das mit dem Kern der eingepflanzten Mantelgewebes aber nicht, dann bildet das Mantelgewebe Perlmutt, welches aber ohne Kern eine skurrile meist etwas flache Form annimmt. Der Durchmesser ist meist 2-7 mm und die Länge bis zu 20 mm. Keshi- Perlen zeigen wie Natur-Perlen ein einmaliges Lüster und einen herrlichen Glanz. Die Farben reichen vom dunkelgrau, hellgrau, creme-goldfarben bis weiß. Die individuellen Perlen der Keshi-Zuchtperle findet inzwischen immer mehr Liebhaber.


Salzwasser-Zuchtperlen

Akoya-Perlen kommen meist in den Farben weiß, silber, rosa und champagner zur Schmuckverarbeitung. Schwarze und blaugraue Akoya Perlen sind gefärbt. Die durchschnittliche Größe dieser Zuchtperle ist 8 mm und die Zucht von größeren Perlen ist extrem schwierig.
Als Keshi-Perlen benennt man sehr unregelmäßig geformte Perlen der Akoya-Auster.

 

Südsee-Zuchtperlen

...wurden früher auch als "Austral"-Perlen bezeichnet. Erst nach 1952 hat sich die Zucht der Südseeperlen im pazifischen Raum und an der australischen Nord-West-Küste ausgebreitet. Sie sind den Tahiti Perlen sehr ähnlich. Diese Perlen können in den gleichen Gewässern wie die Tahiti-Zuchtperlen gezüchtet werden, jedoch wird als Auster die Muschel "pinctada maxima" verwendet.
Südsee-Zuchtperlen sind wie Akoya-Perlen, jedoch werden Größen von 8-22 mm erreicht, die Farben kommen von weiß, goldgelb, bis hell, blaugrau vor.
Gezüchtet wird diese Perle außer in der Südsee auch am Roten Meer auf den Philippinen, Polynesien, Burma und im Golf von Siam in Thailand. Jedoch kommen die qualitativ schönsten Perlen fast nur aus Australien. In der Regel werden die Perlen nach 2 Jahren geerntet. Im Schnitt wächst die Beschichtung durch Perlmutt um 1,4 - 1,8 mm pro Jahr.

 

Süßwasser-Zuchtperlen

Seit dem Jahre 1924 werden in Japan Süßwasserperlen gezüchtet. Im Wasser des Biwa-Sees in der Nähe von Kyoto wurden kernlose Biwa-Perlen gezüchtet. Die Farbe dieser Perlen ist meist weiß-rose, lachs-orange, grau und gold-braun bei einem durchschnittlichen Durchmesser von ca. 4 bis 5 mm. Inzwischen ist jedoch China marktführend in der Produktion der Süßwasser-Zuchtperlen. Die China-Zuchtperle ist der japanischen Biwaperle sehr ähnlich, nur die Oberfläche dieser Perlen ist meist unregelmäßiger aber auch zarter im Farbenspiel.m Aber auch fast runde chinesische Biwa-Zuchtperlen werden inzwischen erzeugt.

 

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